Sonntag, 14. November 2010

Eintrag XXVII - "Letzte Woche war doch noch Januar?"

Sie haben das Gefühl, die Zeit verläuft rückwarts/langsamer/schneller/gar nicht?
Dann ist dieser Blogeintrag genau das richtige für Sie.

Wer kennt nicht dieses Zeitparadoxon: Macht man etwas spaßiges, so vergehen Stunden wie Minuten, macht man etwas lästiges (Wartezimmer des Zahnarztes, beim Warten auf den Zug, bei der Arbeit), so scheint der Sekundenzeiger der Uhr einen Gang zurückgeschaltet zu haben.
Oder ein anderes Aktuelles Beispiel: Jetzt ist Mitte November, das Jahr ist fast vorbei!
Im Januar dachte man doch "Das Jahr wird sich aber wieder ziehen", jetzt denkt man "letzte Woche war doch noch Januar?".
Die Erklärung dieses Phänomens liegt darin, dass man am Ende eines Jahres aus einem größeren Erfahrungsschatz schöpfen kann als am Anfang des Jahres und deshalb Zeiträume kleiner erscheinen - deswegen vergehen für ältere Menschen die Jahre subjektiv gesehen schneller.
Bei oben genannten, "lästigen" Gegebenheiten vergeht die Zeit wohl viel langsamer, weil man dermaßen auf das vergehen der Zeit fixiert ist und die Monotonie der Situation so belastend wird, das die Zeit sich elendig lange dahinzieht. Das erklärt auch das schneller Vergehen von schönen Momenten: Wer schaut da schon dauernd auf die Uhr und langweilt sich?

Eine andere Art von Zeitparadoxien tritt bei Zeitreisen auf (besteht aktuell natürlich nur als Gedankenexperiment):
Ein Mann reist in der Zeit zurück und tötet seinen Großvater. Da dieser stirbt, kann er niemals den Vater des Mannes mit seiner Frau zeugen. Folglich sollte der Mann gar nicht mehr existieren und hätte also niemals die Zeitreise antreten können, weil er nie geboren wurde.
Und hier beginnt es, paradox zu werden: Wenn er nie existiert hätte, hätte er auch nie in der Zeit zurückreisen können, um seinen Großvater die Radieschen von unten zu zeigen, dieser hätte überlebt, seinen Vater gezeugt, und der Mann wäre eben doch geboren worden und würde doch wieder in der Zeit zurückreisen. Verwirrend? Der Konjunktiv lässt das alles wie Science-Fiction erscheinen? Das ist es bis ja (bis jetzt) auch.
Die Lösung des Paradoxons: Eine (theoretische) Möglichkeit ist, das es von vornherein in der Vergangenheit enthalten war, dass der Mann dahin zurückreist und es ihm nicht möglich ist, seinen Großvater umzubringen. Oder, eine andere Option: Bei der Zeitreise reist der Mann in ein Paralleluniversum, in dem seine Aktionen keine Auswirkungen auf die Realtität haben.

Dann gibt es da noch den (durch den Film recht bekannten) Schmetterlingseffekt, bei dem in einer Zeitreise in der Vergangenheit kleinste verursachte Veränderungen die nachfolgende Realität unvorhersehbar verändern. Es gibt dazu auch eine Folge der Simspons, in der Homer bei einer Zeitreise versehentlich einen prähistorischen Schmetterling zertritt und seine Familie in der Gegenwart plötzlich Zungen ähnlich derer von Fröschen besitzen.

Natürlich ist das meiste hier theoretisch, und ich finde, wir können froh sein, dass wir nicht alle Fischschuppen besitzen, nur weil ein zukünftiger Zeitreisender das erste Säugetier der Welt zertreten hat.

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